Seitdem ich an meinem Startup arbeite passiert es mir sehr oft, dass Freunde und Bekannte mir ihre Ideen pitchen und mich nach meiner Meinung fragen.

Sie sind smart. Sie sehen eine Ineffizienz im Markt. Etwas, was man besser machen könnte. Sie sehen die perfekte Lösung dafür schon vor ihren Augen und brauchen dann nur noch das nötige Kapital und das Team, um die Lösung auf den Markt zu bringen.

Die Ideen mögen gut sein oder auch nicht. Das will ich garnicht beurteilen. Jedoch sind da draußen noch sehr viele Menschen, die ihr eigenes Geld und ihre Zeit oder sogar das von externen Investoren in eine Idee stecken, für welche es keinen Marktbedarf gibt (Der häufigste Grund, warum Startups fehlschlagen ist, dass es keinen Marktbedarf für das Produkt gibt). Das heißt, dass Menschen etwas monatelang entwickeln und viel Geld reinstecken, ohne zu wissen, ob der Markt das Produkt überhaupt haben möchte.

Bei Software-Ideen klingt das gar nicht so verkehrt. Man hat eine super Idee und entwickelt dann eine Software, doch nimmt man sich mal ein Beispiel aus der physischen Welt und nicht der Digitalen:



VS.

Max Mustermann ist ein Hobbykoch und erfindet ein neues Gericht. Er findet das Gericht super lecker, es ist günstig und denkt sich, dass andere Menschen dafür Schlange stehen würden. Also steckt er nun sein Geld und das von externen Investoren in ein Restaurant mit einem super Interiordesign, einer super Lage, atemberaubenden Küchenutensilien und startet Marketingkampagnen, um das Gericht mit verschiedenen Variationen anzubieten und bekannt zu machen, ohne jemals einen anderen Menschen es probieren zu lassen...

Er könnte zuerst ganz einfach mal einer Gruppe von Menschen das Gericht aus der eigenen (vielleicht nicht so prunkvollen Küche) anbieten. Es müssen ja nicht sofort 50.000 Menschen sein. Ein kleinerer Kreis würde schon reichen. Vielleicht werden sie ihm dann sagen: preislich ist es super, doch es schmeckt nicht wirklich...  Es könnte aber auch gut laufen, doch es schadet ja nicht, dass Risiko zu minimieren.  

WARUM HANDELN GRÜNDER SO?

Das Ganze ist kein Einzelfall. Man muss nur mal ein Startup-Event besuchen und kann von Gründern hören, dass sie mehrere Monate (manche sogar Jahre) und eine MENGE Geld in eine Idee gesteckt haben, die der Markt nicht wollte.

Auch ich bin diesen Weg schon gegangen...

Daher habe ich versucht das Problem runterzubrechen und konnte es in zwei Punkte aufteilen.

Die Idee des Problems und die Idee der Lösung. Beide Punkte resultieren aus einer unbescheidenen Weise seine Gedanken oder Ideen zu lieben und an ihnen festzuhalten.

  

1.  Die Idee des Problems:

Der Ideengeber kennt sich etwas mit dem Markt aus oder kann sich (seiner Meinung nach) sehr gut in die Situation des Anderen versetzen. Er fühlt, dass es ein lösungsbedürftiges Problem gibt. Doch wie sieht die Realität aus? Ist das Problem klar? Ist das gedachte Problem auch wirklich das echte Problem? Wie gravierend ist das Problem für die User? Ist es so gravierend, dass sie sich schon mehrmals über den Status quo aufgeregt haben? Ist es so gravierend, dass sie dafür zahlen würden?

Diese Fragen kann der Ideengeber beantworten, wenn er potenzielle User interviewt. Für das richtige Interviewen empfehle ich das Buch„The Mom-Test“.  Niemand wird dir sagen, dass deine Idee scheiße ist, wenn du mit Aufregung und deinem sympathischen Lächeln fragst, ob er deine Idee gut findet.

 

2.  Die Idee der Lösung:

Insbesondere smarte Menschen haben ihre Produktidee im Kopf schon perfekt ausentwickelt. Das Design ist atemberaubend und würde einen Award erhalten und es beinhaltet schon 97 verschiedene Features, die alle ziemlich cool wären und irgendeine Funktionalität bieten. Doch fragt man hier nach dem Unique Selling Point hört man sehr schnell die Kombination von sehr vielen verschiedenen Features. Das ist tendenziell der Fall bei Ideen, bei denen der Markt voller ähnlicher Produkte ist. Sehr viele Features für die perfekte Lösung ist besonders schlecht mit wenig Zeit, wenig Geld und einer nicht validierten Idee.

Daher: Sind wirklich alle Features notwendig? Wenn die Antwort hierzu „Ja“ lauten sollte, schau dir bitte noch einmal Punkt 1 "Die Idee des Problems" an.

Gibt es wirklich keinen anderen Weg das Problem zu lösen? Nein, man muss nicht für jedes Problem eine App entwickeln. Hierbei empfehle ich auch mal offen für andere (evtl. weniger anspruchsvolle) Ideen zu sein und ruhig auch mal kreativ bestehende Lösungen „zusammen zu basteln“, um das Problem zu lösen. Du wirst staunen, wie viel man mit Excel und co.zusammenbauen kann. Zusätzlich ist es eine umso stärkere Validierung deiner Idee, wenn User ein Produkt benutzen, das so user-unfreundlich ist, dass es anstrengend ist es zu benutzen. Es aber trotzdem genutzt wird, weil sonst nichts das Problem so gut löst.  

  

Viele smarte Leute, die eine Idee für ein Startup haben, haben ein Gefühl für ein Marktproblem, wollen es viel besser lösen als bestehende Lösungen, ohne klar zu wissen, ob ihr gedachtes Problem auch wirklich existiert oder gravierend ist. Außerdem haben sie dann schon ihre perfekte Lösung mit mindestens 97 Features und perfektem Design bereits ausgearbeitet.

Es ist viel zu einfach sich in seine eigene Idee zu verlieben. Es ist jedoch auch in keinster Weise bescheiden oder risikomindernd.